Mal wieder frischen Wind in die eigenen vier Wände bringen oder das kleine Ferienhaus einrichten. Wer hier ob der Fülle der Angebote an Möbeln, Dekoartikeln, Stoffen & Co. überfordert ist, kann sich professionelle Hilfe holen. Längst bieten erfahrene Experten Beratung im Bereich des Wohnens an. Eine davon ist Birte Kaiser (im Bild). Der Hamburgerin hat die Gestaltung ihrer Umgebung schon immer Spaß gemacht und irgendwann tat sie es dann professionell. Mit ihrer Wohnberatung hausnummerzehn steht sie Kunden in allen Belangen rund um Einrichtung, Wohnen und Stil zur Verfügung und verhilft Räumen zu einem neuen Look.

Wir haben mit der Expertin, die verheiratet ist und zwei Söhne hat, gesprochen. Worauf kommt es beim Einrichten an und wie schafft man sich auch mit Kind und Kegel ein stilvolles Zuhause? Die Antworten darauf lesen Sie im Interview:

FB: Birte, wie bist Du auf den originellen Namen Deiner Wohnberatung gekommen? 

Vor ein paar Jahren haben mein Mann und ich ein Ferienhäuschen an der der Ostsee gekauft, nach jahrelanger, frustrierender Suche. Für uns ist es die perfekte zweite Heimat und wir sind noch immer bis über beide Ohren verliebt. Es hat die Hausnummer zehn und wurde so zum Namensgeber meiner Firma.

Liebe zum Einrichten entstand bei der Wohnberaterin schon als Kind

FB: Wann entstand Deine Liebe zum Einrichten? 

In unpersönlichen, kühlen Räumen habe ich mich noch nie wohl gefühlt, das war schon als Kind so. Sobald ich meine Umgebung selbst gestalten durfte, hab’ ich es getan. Später habe ich viele Jahre für Wohnzeitschriften gearbeitet und gelernt, dass es beim Einrichten nicht nur aufs Bauchgefühl ankommt, sondern dass es auch ein paar Regeln gibt, die einem weiterhelfen.

FB: Welche sind das, kannst Du ein paar nennen?

Licht ist enorm wichtig, es verändert Farben, wirkt einladend oder – wenn es grell oder schummrig ist – abweisend. Bei zu vielen verschiedenen Holzarten entsteht Unruhe. Räume wirken spannender, wenn man ihre unterschiedliche Höhen nutzt. Die Summe schöner Möbel ergibt nicht unbedingt ein harmonisches Ganzes, wenn sie nicht zueinander passen. Keine Angst vor Schwarz, in Maßen eingesetzt passt die Farbe zu fast jedem Wohnstil.

Frischer Wind oder Suche nach neuem Stil sind häufige Gründe für Wohnberatung

FB: Was sind die häufigsten Anliegen Deiner Kunden, die Dich für eine Einrichtungsberatung buchen? 

Die meisten stehen vor einer Veränderung. Sie möchten umbauen oder renovieren, brauchen ein Kinderzimmer oder ein Büro, wo vorher keines war. Andere planen, sich neue Möbel anzuschaffen, und wollen teure Fehlkäufe vermeiden.Oder sie wünschen sich frischen Wind in den eigenen vier Wänden und sind auf der Suche nach einem neuen Stil. 

FB: Wie läuft so ein Auftrag ab, wenn der Kunde Dir seine Vorstellungen übermittelt hat? 

Ich komme ins Haus oder in die Wohnung, lasse mir alles erklären und versuche, gut und aufmerksam zuzuhören. Was ist den Kunden wichtig? An welchen Möbelstücken hängen sie? Wie nutzten sie ihre Wohnung? Am Ende geht es ja nicht darum, dass ich mich austobe, sondern dass die Auftraggeber glücklich sind und sich wohlfühlen. Dann gebe ich Tipps, mache Vorschläge, zeige Alternativen. Ich habe zwei dicke Ordner mit Bildern und Beispielen. Das Thema ist ja eher ein optisches und lässt sich leichter zeigen, als es in Worte zu fassen. 

So ein Besuch dauert etwa zwei Stunden. Einige Kunden sind damit zufrieden, andere begleite ich durch ihr ganzes Projekt, helfe beim Aussuchen der Möbel im Laden oder später bei der Dekoration.

FB: Was sind für Dich kniffelige Herausforderungen in Sachen Wohnberatung? 

Wenn Ehepartner sich nicht einig sind, wird’s schwierig. Oft treffen zwei Geschmäcker aufeinander oder der eine (…meistens ist es die Frau) will eine Veränderung, der andere findet, »wieso, ist doch schön so.«

FB: In welchen Situationen buchen Dich Deine Kunden? Wenn Sie eine neue Immobilie beziehen oder auch des Tapetenwechsels wegen? 

Sowohl als auch, häufiger allerdings, wenn etwas renoviert werden soll. Ausnahmen sind Praxisräume oder Ferienimmobilien, da werde ich meist von Anfang an dazu geholt.

Wohntrends gibt es genau so, wie es Modetrends gibt

FB: Gibt es die vielbeschworenen Wohntrends tatsächlich? Wenn ja, welcher Trend ist derzeit angesagt?  

Ordnung will geschaffen sein

Doch, die gibt es, das ist beim Wohnen nicht anders, als in der Mode, nur weniger schnelllebig. Zurzeit spricht man beispielsweise von Kanso, einem Wohntrend aus Japan, der alles auf das Wesentliche reduziert. Und Coorie ist die schottische Antwort auf den skandinavischen Hygge-Hype. In ihrer Reinform werden sich diese Trends kaum durchsetzen, aber es gibt Strömungen.

FB: Welchen Wohnstil bevorzugst Du selbst? 

Ich mag eine Mischung aus schlicht und alt. Praktische gradlinige Möbel, kombiniert mit Stücken, die Geschichte haben. Unser Küchenregal stammt beispielsweise von einem österreichischen Bauernhof, auf dem wir mal Urlaub gemacht haben. Ein 800 Jahre altes, fast zwei Meter langes Eichenbrett, das früher eine Scheunentür war. 

FB: Lebt man mit Kindern, kann man seinen Lieblings-Wohnstil oft nicht immer – oder nur eingeschränkt – leben. Meist muss es praktisch sein. Welchen Ratschlag hast Du hier für stilorientierte (junge) Familien, dass beides doch irgendwo zusammengehen kann? 

Je unempfindlicher die Möbel, desto entspannter die Eltern. Außerdem verbringt man gerade am Anfang viel Zeit auf dem Boden, da hat man es bequemer auf einem flachen Teppich, der nicht fusselt. Ich empfehle außerdem, sich ein paar schöne Aufbewahrungsmöglichkeiten für das viele Spielzeug ins Wohnzimmer oder die Küche zu stellen. Ist ja auch mal ganz schön, das bunte Chaos gelegentlich verschwinden zu lassen, damit man nicht das Gefühl hat, man wohnt in einer Kita.

Zu Anlässen kann man dekomäßig in die Vollen gehen!

FB: Aktuell steht Ostern und damit der Frühling vor der Tür. Hast Du hierfür Tipps in Sachen Dekoration und Stil?       

Das Tolle an solchen Festen ist ja, dass man dekomäßig so richtig in die Vollen gehen kann, wenn man Spaß dran hat. Ein bisschen so, als würde man die Wohnung für ein paar Wochen verkleiden. Ich liebe beispielsweise Zweige in der Vase, die dann rasend schnell grün werden. Außerdem finde ich kleine Wimpelketten in Pastelltönen hübsch. An denen bastel ich gerade. Das wollte ich eigentlich mit meinen Kindern machen, aber die haben keine Lust dazu. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Spaß am Einrichten und Dekorieren offenbar nicht vererbt wird.

Birte Kaiser

Birte Kaiser (im Bild) lebt in Hamburg. Ihr Internetblog ist unter wwww.Hausnummerzehn.com zu finden.

Bildnachweise: Birte Kaiser /hausnummerzehn.com

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