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Mella Wittchow: Mit Nadel und Faden zum eigenen Herzensbusiness

In unserer Reihe „Frauen & ihr Herzensbusiness“ stellt sich nachfolgend Mella Wittchow (im Bild) vor, deren Geschäftsidee im fernen Asien reifte:

Ein Business zu gründen bedeutet oft: Zahlen, Strategien, Wachstum. Mein Weg begann jedoch ganz anders – leiser, persönlicher und vor allem kreativer. Die Idee zur SchöneDingeMacherei entstand während einer langen Reise durch Südostasien. Mein Volontariat im Münchner Stadtmuseum war gerade beendet, mein Mann hatte seinen Biosupermarkt verkauft, und wir beschlossen, uns eine Auszeit zu nehmen.

Wie die Idee zur SchöneDingeMacherei entstand und zum Herzensbusiness wurde

Elf Wochen lang reisten wir durch Thailand, Vietnam und Kambodscha. Mein Stickzeug war immer dabei. Oft saß ich stundenlang am Strand oder in einer Hängematte und stickte. Immer wieder kamen Kinder vorbei und wollten mitmachen. Anfangs war ich überzeugt, dass Sticken für sie noch zu schwierig sei. Doch sie belehrten mich eines Besseren: Hochkonzentriert stickten sie mit mir und zeigten mir, wie viel Freude und Potenzial in dieser kreativen Beschäftigung steckt.

in ThailandIn dieser Zeit las ich außerdem ein Buch über das japanische Konzept des Ikigai – die Suche nach der eigenen Berufung. Genau dort entstand die Idee, Stickkurse für Kinder und Erwachsene anzubieten. Die Geburtsstunde der SchöneDingeMacherei war gekommen.

Warum ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe

Der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen und selbst gestalten zu können, hat mich schließlich ins Handeln gebracht. Natürlich gab es Hindernisse. Den perfekten Zeitpunkt gibt es ohnehin nicht. Ich startete mitten in der Corona-Pandemie, als kaum jemand analoge Kurse buchen wollte. Also musste ich meine ursprüngliche Idee anpassen und digitale Angebote entwickeln. Das war kein einfacher Weg und erforderte Geduld. Gleichzeitig habe ich gelernt, mich nicht unter Druck zu setzen. Da ich weiterhin im Museum arbeitete, konnte ich mein Herzensbusiness Schritt für Schritt wachsen lassen.

Heute weiß ich: Ein Herzensbusiness entsteht nicht am Reißbrett, sondern durch Ausprobieren, Lernen und Weitermachen.

Entschleunigung ist wichtiger Teil meiner Geschäftsidee

Von Anfang an war mir wichtig, kein Unternehmen aufzubauen, das mich erneut in Stress versetzt. Stattdessen sollte sich mein Business in mein Leben einfügen – und nicht umgekehrt. Sticken steht für mich genau dafür: Es ist langsam, ruhig und fast meditativ. Dieses Gefühl möchte ich in meinen Kursen, Stickkits und digitalen Angeboten weitergeben.

Kreativität ist für alle da

Besonders am Herzen liegt mir die Niedrigschwelligkeit meiner Angebote. Viele Menschen glauben von sich, nicht kreativ zu sein. Doch Kreativität ist keine angeborene Eigenschaft, die man entweder besitzt oder eben nicht. Sie ist etwas, das entdeckt und entwickelt werden kann.

Deshalb gestalte ich meine Kurse bewusst so, dass der Einstieg leicht fällt – ohne Leistungsdruck, ohne Erwartungen und ohne Angst vor Fehlern.

Nachhaltigkeit und Kreativität gehören für mich zusammen

Mein Business ist für mich weit mehr als eine berufliche Tätigkeit. Es ist auch Ausdruck einer Haltung. Deshalb trägt die SchöneDingeMacherei den Zusatz „Die Welt gestalten“.

Dahinter steckt die Überzeugung, dass wir mit kreativen Entscheidungen Einfluss nehmen können. Besonders wichtig ist mir dabei das Thema Nachhaltigkeit. Warum immer Neues kaufen, wenn bereits so viel vorhanden ist? Mit Stickereien lassen sich Kleidungsstücke aufwerten, reparieren und individualisieren. Wer viele Stunden liebevoll an einem Kleidungsstück gearbeitet hat, wird es nicht so schnell aussortieren.

Warum Kreativität Zeit braucht

Auch das Thema Zeit spielt dabei eine große Rolle. In unserem Alltag sind wir oft darauf programmiert, schnell, effizient und produktiv zu sein. Kreativität funktioniert jedoch anders. Sie braucht Raum, Ruhe und manchmal sogar Langeweile.

Erst dann entstehen neue Ideen. Mir kommen die besten Einfälle oft nachts. Deshalb darf ein Herzensbusiness für mich auch langsamer sein – persönlicher und authentischer.

Natürlich gab es auf meinem Weg auch Zweifel. Sie gehören für mich zum Unternehmertum dazu. Heute sehe ich sie jedoch nicht mehr als Stoppschild, sondern als Einladung, genauer hinzuschauen, Dinge anzupassen und weiterzugehen. Über diese Erfahrungen schreibe ich auch offen in meinem Blog, weil ich finde, dass ehrliche Einblicke in die Selbstständigkeit oft zu kurz kommen.

Was mein Herzensbusiness für mich bedeutet

Erfolg bedeutet für mich nicht in erster Linie Wachstum oder Umsatz. Erfolg bedeutet, etwas zu bewirken.

Wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einem Stickkurs begeistert nach Hause gehen und das Sticken für sich entdecken, ist das für mich ein großer Erfolg. Wenn Menschen, die lange nichts Kreatives mehr gemacht haben, plötzlich wieder Freude daran finden, mit ihren Händen etwas zu erschaffen, dann zeigt mir das, warum ich diesen Weg gewählt habe.

Wer von einem eigenen Herzensbusiness träumt, dem möchte ich vor allem eines mitgeben: Einfach anfangen. Ich selbst dachte anfangs, alles müsse perfekt vorbereitet sein – die Webseite, das Konzept, die Außendarstellung. Heute weiß ich, dass das nicht nötig ist. Es gibt viele Wege, Menschen zu erreichen, sei es über Social Media, Flyer oder persönliche Empfehlungen.

Viel wichtiger als Perfektion ist der Mut, mit der eigenen Idee sichtbar zu werden. Nachjustieren kann man später immer noch.

Eine Einladung zum Selbermachen

Die SchöneDingeMacherei ist für mich vor allem eines: eine Einladung zum Selbermachen, zum Ausprobieren und dazu, sich selbst durch Kreativität wieder ein Stück näherzukommen.

Über mich:

Ich bin Schneidermeisterin und studierte Kunsthistorikerin. Die Verbindung aus handwerklicher Präzision und kreativem, kulturellem Verständnis prägt meine Arbeit bis heute. Nach meiner Ausbildung im Schneiderhandwerk vertiefte ich mein Wissen durch ein Studium der Kunstgeschichte und entwickelte so einen ganzheitlichen Blick auf Gestaltung, Materialien und kreative Prozesse.

Mit der SchöneDingeMacherei habe ich mich bewusst für einen selbstbestimmten und werteorientierten Weg entschieden. Heute biete ich Stickkurse für Kinder und Erwachsene in München an, ergänze diese durch digitale Kurse und Stickkits und setze mich für nachhaltige Ansätze wie Upcycling ein.

In meinen Workshops, Anleitungen und Blogbeiträgen möchte ich Menschen ermutigen, kreativ zu werden – unabhängig von Vorkenntnissen oder Talent. Denn nicht Perfektion steht im Mittelpunkt, sondern die Freude am Gestalten und die Erfahrung, mit den eigenen Händen etwas Besonderes zu erschaffen.

Mehr Frauen aus der Rubrik „Frauen & ihr Herzensbusiness“ finden Sie hier.

Copyright: Mella Wittchow

 

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