Schulwechsel, Klassenwechsel, Schulbeginn, Schulalltag: Überall findet leider Mobbing statt. Und es scheint immer schlimmer zu werden. Denn zum Offline-Mobbing hat sich längst die Online-Schikane etabliert. Der Spruch „Kinder können grausam sein“ war wohl nie so aktuell wie heute.
Trotz dem Wirken vieler Menschen und Initiativen gegen Mobbing, leiden bundesweit tausende Schüler unter Anfeindungen und Angriffen. Doch es muss nicht einmal zum Äßersten kommen, um kleine Seelen zu treffen und womöglich zu schädigen. Schon die bloße Ausgrenzung eines neuen Schülers nach einem Schulwechsel kann für den Betroffenen höllisch sein.
Fieses Mobbing, großartige Geschäftsidee
So erging es der Amerikanerin Natalie Hampton (im Bild), die als neue Schülerin nicht nur vom Mittagessen in der Schule ausgeschlossen, sondern auch übel gemobbt wurde. So saß sie über Jahre allein am Tisch in der Schulkantine und hat – gemieden von den anderen – ihr Mittagessen zu sich genommen. Als dann körperliche Angriffe hinzukamen, beschloss die US-Amerikanerin zu handeln. Sie erfand die App „Sit with us“, die darauf abzielt, dass sich neue oder einsame Schüler zum Mittag an einen Tisch setzen, an dem sie willkommen und nicht gehasst sind.
Die junge Frau aus Kalifornien landete mit dieser Entwicklung einen richtig coolen Coup, der viele Schüler aufatmen und dem Mobbing entkommen lässt. Die junge Gründerin hat seither viele Interviews gegeben und auch internationale Auftritte absolviert. In einem Interview mit dem Blog „Theprojectforwomen.com“ sprach sie über ihre Erfahrung und die Beweggründe für „Sit with us“:
„(…)Wie bereits erwähnt, habe ich in der Mittelstufe schmerzhaftes Mobbing erlebt. Nachdem ich endlich die Schule wechselte und in einer viel freundlicheren Umgebung war, lud ich immer alle, die allein saßen , zu mir in die Mittagspause ein, weil ich wusste, wie schrecklich sie sich fühlten. Ich freundete mich mit diesen Kindern an und sah, dass diese einfache Geste der Freundlichkeit einen großen Unterschied in ihrem Leben machte. Ein Mädchen, das heute eine meiner besten Freundinnen ist, erzählte mir, dass sie an Selbstmord gedacht hatte , aber dass ich sie in unsere Clique aufgenommen hatte, brachte sie zum Umdenken. Das inspirierte mich, aktiv zu werden und in einem viel größeren Rahmen etwas zu verändern.
Ich habe die kostenlose mobile App „Sit With Us“ entwickelt , die gemobbten oder einsamen Kindern in der Schule eine Unterstützung bietet. Wer einen Tisch sucht, kann in der App nachsehen und eine freie Einladung finden , sodass niemand alleine essen muss. Ich erstellte ein Storyboard für die Funktionsweise der App und kümmerte mich um das Grafikdesign.
Anschließend arbeitete ich mit einem freiberuflichen Programmierer zusammen, um die App zu realisieren, da sie viele komplexe Funktionen bietet, die ich integrieren wollte. Für Schulen, die die Handynutzung während des Unterrichts verbieten, habe ich außerdem eine analoge Version entwickelt, die denselben Zweck erfüllt. Zu meiner Überraschung hat sich „Sit With Us“ rasant verbreitet und wird mittlerweile von über 100.000 Menschen (Kindern und Erwachsenen) in acht Ländern weltweit genutzt.(…)“
Eine wunderbare Idee, die gegen fieses Mobbing unbedingt weiter Schule machen sollte! Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Gründerin hat ihre App auch so entwickelt, dass sich neben Schülern die Schulen dort anmelden können.
Schulen und Schüler können sich gleichermaßen anmelden
Es bedarf also auch der Initiative der Lehrkräfte, den Kindern und Jugendlichen diese Möglichkeit zu gewähren. Indem sie als Bildungsstätte einen Account eröffnen. Wie oft und in welchen Regionen Deutschlands dies schon geschieht – darüber gibt es aktuell keine Zahlen. Aus den USA ist bekannt, dass unzählige Schüler die App selbst nutzen – in Eigeninitiative. So oder so ist dieses Tool eine wunderbare Erfindung gegen das allgegenwärtige Mobbing. Deshalb sollte es – ebenso wie das Engagement bekannter Anti-Mobbing-Aktivisten, wie beispielsweise Carsten Stahl – viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Schüler und Lehrkräfte sind hier gleichermaßen am Zug!
Mehr über die Gründerin und ihre Auszeichnungen für die Anti-Mobbing-App finden Sie unter anderem hier.
Quelle: theprojectforwomen.com
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