Mittwoch, 4. März, 2026

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Beratungsgebühr für Schulranzen: Eine Ladeninhaberin greift durch

Ausgiebiges Anschauen, aussuchen, anfassen und begutachten: Das alles ist angesagt, wenn Familien einen Schulranzen für den Nachwuchs aussuchen. Im Gegensatz zu einer stylishen Handtasche muss dieses Utensil bekanntlich auf Herz und Nieren geprüft werden, da es im Schulalltag bestehen muss. Der Gang in ein Fachgeschäft mit Beratung ist hier die allererste Wahl. „Gewesen“ könnte man meinen. Denn längst werden auch die Schultaschen der Kinder via Internet geordert. Viele Leute jedoch lassen sich zuvor ausgiebig in einem Fachgeschäft zum favorisierten Schulranzen beraten. Dieser Unart wird mehr und mehr ein Riegel vorgeschoben. Läden, die sich auf beratungsintensive Produkte spezialisiert haben, sehen es immer weniger ein, die aufwendige Beratungsarbeit zu verrichten, ohne dass im Anschluss die Kasse klingelt.

Schulranzen: Auswählen, beraten lassen, woanders kaufen…

Dem ungeliebten Phänomen – neudeutsch „Showrooming“ genannt – geht es mehr und mehr an den Kragen, wie das Beispiel einer Ladeninhaberin aus Nordrhein-Westfalen zeigt. In der Onlineausgabe „Der Westen“ ist dazu folgendes zu lesen:

„(…) Das Familienunternehmen Schulranzen Kranz setzt seit rund zwei Jahren auf eine ungewöhnliche Maßnahme: Die Händler verlangen in ihren Geschäften in Bochum und Hagen eine Beratungsgebühr von 25 Euro! Wer sich eine ausgiebige Beratung gönnen möchte, muss dafür bezahlen – zumindest, wenn er am Ende keinen Kauf tätigt. Ansonsten wird die Gebühr verrechnet.(…)“.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass bundesweit immer mehr (Fach)Geschäfte schließen und so manche Innenstadt eher einem Angstraum mit angeschlossener Billig-Fressmeile gleicht, ist das Agieren der im Beitrag porträtierten Unternehmerin Stefanie Kranz mehr als nachvollziehbar.

Nicht besonders anständig: Fachgeschäfte nur für Beratung nutzen

Die erfahrene Fachfrau weiß von etlichen Beispielen zu berichten, die einfach unterirdisch sind:

„(…)Wir dulden nicht mehr diesen Beratungsklau. Wir haben die Kunden eine Stunde beraten und dann wird parallel nach günstigeren Ranzen gegooglet. Da haben wir uns einfach maßlos geärgert!“, beschwert sie sich im Gespräch mit dem WDR. Ihre Lösung: Die Beratungsgebühr, um Kunden zum Kauf vor Ort zu bewegen.(…)“

25 Euro verlangen die Geschäftsinhaberin und ihr Team für ausführliche Beratungen zu Schulranzen, die dann doch wieder ins Regel gestellt und sehr wahrscheinlich online gekauft werden. Dass die Maßnahme wirkt, zeigen die Resultate:

„(…)Laut Stefanie Kranz hat sich die Gebühr bewährt. Sogar die Kunden würden die Regelung akzeptieren. Über 90 Prozent entscheiden sich nach der individuellen Beratung für einen Kauf – eine Quote, die auch Barbara Wolkenhauer vom Handelsverband NRW bestätigt. Die meisten Kunden hätten Verständnis für solche Gebühren, gerade wenn sie eine intensive Beratung erhielten.(…)“

Das Beispiel skizziert, dass diese Maßnahme richtig ist und stellt einmal mehr die Bedeutung inhabergefürter Fachgeschäfte heraus. Zudem: Wer Anstand hat, der macht sowas einfach nicht und unterstützt die lokale Händlerschaft.

Lokale Händler unterstützen sollte Ehrensache sein – nicht nur in Sachen Schulranzen

Die kann außerdem, was die wenigsten Online-Dienstleister können: Nach dem Kauf für Reparaturen & Co. zuständig sein. Stefanie Kranz:

„(…)Kunden werden im Laden sogar nach dem Kauf weiter unterstützt, etwa wenn ein Ranzen repariert werden muss.(…)“

Wer schon mal gefühlt tagelang in einer unpersönlichen Warteschleife festhing oder vom Callcenter-Agenten am anderen Ende der Welt nicht verstanden wurde, weiß, wovon die Rede ist. „Kauf lokal“ ist deshalb nicht nur ein leerer Slogan, sondern eine Einstellung. Vor allem für jene, die sowieso fest mit ihrer Region verbunden sind.

Und wie gesagt: Manche Dinge gehören sich einfach nicht!

Quelle: derwesten.de

Bild (Symbolbild): picture alliance / SZ Photo | Marco Einfeldt

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