Dienstag, 10. März, 2026

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Reboarding nach der Elternzeit: Warum Unternehmen jetzt handeln müssen

Ein Gastbeitrag von Lydia Bettermann (im Bild rechts). Während der Elternzeit meines ersten Kindes lief mein Vertrag in einer befristeten Stelle im öffentlichen Dienst aus. Ich bewarb mich erneut – und bekam die Stelle. Eigentlich ein Grund zur Freude. Und doch hielt mich etwas zurück. Denn ich war nicht mehr dieselbe Frau, die das Unternehmen verlassen hatte. Inzwischen war ich Mutter. Meine Werte hatten sich verschoben. Meine Prioritäten neu sortiert. Ich wusste plötzlich sehr klar, was mir wirklich wichtig war: mein kleines Kind und ein harmonisches Familienleben.

Von der Rückkehr ins Unternehmen nach der Elternzeit – und der Frage, warum nichts mehr ist wie vorher

Meinen Job hatte ich geliebt. Lange hatte ich auf diese Position hingearbeitet. Also versuchte ich motiviert, beides unter einen Hut zu bekommen: Familie und Arbeit. Um das möglich zu machen, wollte ich in Teilzeit arbeiten. Doch die Rahmenbedingungen ließen diesen Stundenumfang nicht zu. Ich führte Gespräche, wollte veraltete Strukturen hinterfragen und suchte Lösungen. Es gab keinen Weg hinein. Ich sah Kolleginnen gehen – in die freie Wirtschaft oder in den Burnout. Aktenberge wanderten zur nächsten Kollegin. Überlastungsanzeigen wurden gestellt, ohne echte Konsequenzen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Nächste fiel. Dann spielte mir die Pandemie in die Karten. Ich durfte ein weiteres Jahr mit meinem Kind verbringen. Parallel absolvierte ich online meine Weiterbildung zur individualpsychologischen Coachin – und wagte kurz darauf den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich war es leid, mich in starren, familienunfreundlichen Strukturen bewegen zu müssen.

Nach der Elternzeit ist alles anders

In meiner Arbeit mit Müttern wurde mir schnell klar: Ich war kein Einzelfall. Nach der Elternzeit ist nichts mehr wie zuvor. Keine Frau kann einfach dort weitermachen, wo sie aufgehört hat. Denn nicht nur der Mensch hat sich verändert. Auch Strukturen, Teams, Anforderungen und Dynamiken haben sich weiterentwickelt. Und wenn diese Frauen nach Hause gehen, ist es nicht „Feierabend“. Feierabend ist erst, wenn das letzte Kind die Augen geschlossen hat – und nicht selten auch erst dann, wenn es die Mutter selbst im Schlaf übermannt.

Viele meiner Klientinnen befanden sich im Überlebensmodus. Zwischen Kita, Meetings, Mental Load und Selbstzweifeln. In meinen Coachingprozessen gelang ihnen der Schritt in den Schöpfermodus. Sie gewannen Klarheit darüber, was ihnen wirklich wichtig ist:

  • eine echte Work-Life-Balance

  • eine sinnerfüllte Aufgabe

  • Werte, die sie auch beruflich vertreten können

  • ein zugewandtes Team

  • und vor allem: gesehen zu werden

Was dafür unabdingbar ist? Flexibilität. Wer Kinder hat, weiß: Man muss täglich flexibel reagieren. Doch viele berufliche Strukturen haben das noch immer nicht verstanden.

Und genau hier wird es kritisch.

Der Kipppunkt: Gehen oder bleiben?

An diesem Punkt treffen viele Frauen eine Entscheidung. Viele meiner Coachees gingen:

  • in neue, flexiblere Jobs

  • in die Selbstständigkeit

  • oder – aus Erschöpfung – in die Arbeitslosigkeit

Doch das ist nicht mein Ziel. Mein Ziel ist nicht, dass Frauen ihre Arbeitgeber verlassen. Mein Ziel ist, dass Unternehmen Reboarding als Bindungsmoment verstehen. In der Psychologie spricht man vom Gegenseitigkeitsprinzip: Geht eine Person in Vorleistung, entsteht ein Spannungsverhältnis, das das Gegenüber ausgleichen möchte.

Übertragen auf Unternehmen bedeutet das:

Wenn Sie als Arbeitgeber in Vorleistung gehen – durch einen strukturierten, begleiteten Wiedereinstieg, durch echte Flexibilität und individuelle Lösungen – dann entsteht Bindung. Die Mitarbeiterin wird sich engagieren. Verantwortung übernehmen. Leistung bringen. Und sich langfristig an Ihr Unternehmen binden. Ist es das nicht wert? Wenn Sie Eltern in der sensiblen Baby- und Kleinkindphase entgegenkommen – und sie sich dafür über Jahre mit Loyalität, Motivation und Leistung bedanken – ist das nicht ein guter Deal? Zumal es (leider) noch immer etwas Besonderes ist, ein wirklich familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Wollen Sie dazugehören?

Mütter sind leistungsfähig – ich weiß, wovon ich spreche

Zwei Jahre lang wurde ich nachts bis zu 18 Mal von meinem Kind geweckt. Und ich habe jeden Tag gearbeitet. Mit nur zwei Krankheitstagen. Nicht, weil ich musste. Sondern weil ich selbstbestimmt arbeiten konnte. Weil ich Sinn in meiner Tätigkeit sah. Und weil ich mir selbst die Anerkennung gab, die es braucht, um weiterzumachen. Mütter sind

  • organisationsstark

  • hochleistungsfähig

  • resilient

  • lösungsorientiert

  • empathisch

Doch diese Kompetenzen entfalten sich nur in einem System, das sie nicht permanent ausbremst.

Reboarding ist kein „Nice-to-have“ – sondern ein strategischer Erfolgsfaktor

HR-Abteilungen und Führungskräfte tragen hier eine Schlüsselrolle.

Reboarding braucht:

  • strukturierte Wiedereinstiegsprozesse

  • individuelle Arbeitszeitmodelle

  • ehrliche Gespräche über Erwartungen

  • Führungskräfte mit Empathiekompetenz

  • eine Kultur, in der Elternschaft kein Karrierekiller ist

Wenn Unternehmen diesen Übergang bewusst gestalten, wird er zum Bindungsmoment – nicht zum Kündigungsgrund.

Meine Vision

Ich begleite Mütter dabei, vom Überlebensmodus in ihre Gestaltungskraft zu kommen. Damit sie ihr Mamasein genießen können – ohne sich beruflich selbst zu verlieren. Gleichzeitig unterstütze ich Unternehmen dabei, Reboarding-Prozesse so zu gestalten, dass sie langfristige Bindung ermöglichen.

Denn am Ende gewinnen alle:

  • die Mutter

  • das Kind

  • das Team

  • und das Unternehmen

Reboarding ist mehr als Rückkehr. Es ist eine Neuausrichtung. Und genau darin liegt die Chance.

Wenn Sie als HR-Verantwortliche oder Führungskraft dieses Thema strategisch angehen möchten – oder als Mutter spüren, dass Ihr Wiedereinstieg sich leichter anfühlen darf – dann lassen Sie uns ins Gespräch kommen.

Familienfreundlichkeit ist Investition in Unternehmen

Denn Familienfreundlichkeit ist kein Kostenfaktor. Sie ist eine Investition in nachhaltige Unternehmensbindung. Und an die Mamas, die das gerade lesen: Vielleicht haben Sie sich in meinen Worten wiedergefunden. Vielleicht merken Sie gerade, dass Sie in Ihrer Mamarolle nicht (mehr) glücklich sind. Dass Sie funktionieren – aber sich selbst kaum noch spüren.

Dann darf ich Ihnen eines sagen: So muss es nicht bleiben.

Wenn Sie Impulse für mehr innere Klarheit, Entlastung und Selbstbestimmung suchen, finden Sie in meinem Buch „Stress ist kein Familienmitglied“ konkrete Strategien und stärkende Perspektiven für Ihren Alltag. Und wenn Sie spüren, dass Sie sich persönliche Begleitung wünschen, dann melden Sie sich gern direkt bei mir. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Und Sie dürfen Ihr Mamasein genießen – ohne sich selbst zu verlieren.

Mehr zu mir und meinem Leistungsspektrum finden Sie hier.

Herzlichst,

Lydia Bettermann

Copyright: SteffiundThomas

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