Paar am Meer

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – wer hat diesen Ausspruch noch nicht benutzt?! Meist seufzt man ihn dahin, wenn man über eine bestimmte Kommasetzung grübelt. Oder ein anderes Problem mit der manchmal tückischen deutschen Rechtschreibung hat. Diese schöne Sprache löst aber auch noch andere Reaktionen aus. Und zwar lustige! Ich stellte das immer wieder in der Kommunikation mit Leuten aus dem ehemaligen Westen fest. Und zwar stets im Zusammenhang mit einer Ost/West-Liebe.

Denn es gibt eine Menge Begriffe aus DDR-Tagen, die – abseits von Dialekten, was noch mal was anderes ist – Menschen aus Westdeutschland nicht kennen. Und deshalb auch nicht verstehen.

„Heftzunge“ regte in Ost/West-Liebe zum Schmunzeln an

Das erste Mal bemerkte ich das, als ich vor langen Jahren mit einem Partner aus Baden-Württemberg zusammenlebte und er das Wort „Aktendully“ nicht kannte. Er meinte, das hieße „Heftzunge“. Ich hatte diesen sperrigen Namen noch nie gehört und benutze bis heute den Begriff „Aktendully“ für eine gelochte Plastikklammer, die man für das Einheften in Ordner verwendet.

Dass diese Irritationen in Sachen Sprache und Ausdruck anhalten sollten, erfuhr ich in der darauffolgenden Zeit, in der ich wiederum mit einem Partner aus Westdeutschland liiert war. Die Worte „Kaufhalle“ (für Supermarkt) oder „Zellstofftaschentuch“ (für ein Tempotaschentuch) waren ihm völlig fremd. Ich dagegen kannte – zum Beispiel – den Begriff „Trinkhalle“ nicht. Er steht vor allem im Ruhrgebiet für eine Art Imbiss.

Mittlerweile habe ich eine Familie und mein jetziger Partner stammt – wieder aus Westdeutschland. Obwohl die Thematik der verschiedenen Begriffe, bei denen einer nur Bahnhof versteht lange Zeit vom Tisch war, flammte sie kürzlich wieder auf. Wir renovierten und wollten in einem Raum Teppichboden verlegen. Obwohl mir das Wort „Teppichboden“ lange schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, verwandte ich den Begriff „Auslegware“. Den aber kannte mein Partner gar nicht und fragte, was ich wohl meine? Ich erklärte es ihm, er schüttelte schmunzelnd den Kopf.

Auch andere Ost/West-Paare kennen das

Nur kurze Zeit später waren wir erneut bei einem speziellen DDR-Begriff, diesmal ging es um die „LPG“. Wir wohnen ländlich und fuhren kürzlich an bäuerlichen Stallungen vorbei. „War wahrscheinlich früher mal LPG“ antwortete ich, als mein Kind mich etwas im Zusammenhang des ländlichen Gewerbe-Anwesens fragte. Natürlich verstand der Nachwuchs ebenso wie mein Partner nur Bahnhof und ich erklärte, dass „LPG“ in der DDR für „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ stand.

Offenbar ist die Bezeichnung für Leute, die nicht mit dem Begriff aufgewachsen sind, sehr sperrig und schwer zu merken, denn als wir auf der Rückfahrt wieder an dem Gelände vorbeifuhren, fragte mein Partner: „Wie nannte man das damals nochmal?“. Er fragt das bis heute, wenn wir dort lang kommen…!

Dass es auch anderen Paaren, die in einer Ost/West-Liebe verbunden sind, so geht, las ich vor kurzem in der Zeitung. Da wurde eine Frau porträtiert, die der Liebe wegen aus dem Rheinland nach Thüringen gezogen ist.

Ihr Mann trug ihr eines Tages – in Abwesenheit, er war auf Dienstreise – auf, dass sie eine „Eidechse“ voller Sand bestellen solle. Die Frau wusste mit dem Begriff „Eidechse“ im Zusammenhang mit Sand überhaupt nichts anzufangen. Dabei handelt es sich hier um einen kleinen LKW, einen Multicar. Er kam in der DDR ständig zum Einsatz und wurde „Eidechse“ oder auch „Echse“ genannt.

Von „Polylux“ bis „Dederon“

Erst, als sie über den Begriff aufgeklärt wurde, konnte die besagte Frau dann agieren. Was ja auch logisch ist! Ähnlich nur Bahnhof verstanden hat auch ein Kollege von mir, mit dem ich mich irgendwann mal über die DDR-Schulzeit unterhielt und das Wort „Polylux“ einband. Er fragte, was ich meine, denn er hatte diesen Begriff nie zuvor gehört. Ich klärte ihn auf, dass der „Polylux“ im Unterricht als Overheadprojekter zum Einsatz kam. Einen solchen kannte er natürlich.

Ich bin mir sicher, dass es anderen Paaren, die ebenso eine Ost/West-Liebe leben, ähnlich geht und unterschiedliche Wortschöpfungen, die aus der langen deutschen Teilung resultieren und die im Alltag noch immer rege genutzt werden, für so manches Schmunzeln im Alltag sorgen.

Kein Wunder – manche Begriffe muten tatsächlich putzig an. „Dedoron“ zum Beispiel oder das hart ausgesprochene „Plaste“. Auch alles spezielle DDR-Begriffe, die beim in Westdeutschland oder West-Berlin aufgewachsenen Gegenüber auch heute noch für fragende Blicken sorgen (könnten).

Mal schauen, wie lange sie sich noch halten. Über die nächste Generation hinaus bestimmt nicht!

Wer sich schlau machen mag, über Dederon, Plaste & Co. kann hier klicken und in einer Liste weiterer skurriler Ossi-Begriffe schmökern! Schmunzeln garantiert…

Bildnachweis (Symbolfoto): pexels.com

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