Beiträge

Frau am Laptop

Kennen Sie Ebay und seinen Ableger „Kleinanzeigen“? Die meisten von Ihnen ganz sicher.

Aber obwohl ich mich seit 1999 (!) im Internet bewege und denke, alles schon gesehen und erlebt zu haben, lerne ich immer wieder dazu, wie in den letzten paar Tagen.

Es ist lange her, dass man sich im guten alten AOL-Chatroom „Wir um die 30“ die Finger wundschrieb und nette Leute kennenlernte. Längere Mails verfasste man offline, anschließend loggte man sich ein, versendete sie und meldete sich sofort wieder ab, denn jede Minute kostete Geld, und Flatrates waren noch nicht erfunden. Mit dem 56-K-Modem, das quietschte und pfiff, war die Einwahl ins WWW eine abenteuerliche Angelegenheit, denn es klappte bei weitem nicht immer.

„Geh aus der Leitung, ich will endlich telefonieren“, hörte man zu Vor-ISDN-Zeiten öfter, und nicht immer in höflichem Tonfall, denn entweder surfte man im Internet oder rief Oma Gertrud in Buxtehude an – beides gleichzeitig war nicht möglich.

Wollte man eine Website aufrufen, konnte man, ehe die sich aufbaute, nebenher einen Pullover stricken und mit der Nachbarin Kaffee trinken. Alles verlief gemütlicher, und das Internet war nur etwas für nebenbei. Mittlerweile hat es sich in so gut wie jeden Haushalt eingeschlichen und ist nicht mehr wegzudenken. Ich erledige meine Bankgeschäfte online, bestelle mein Tierfutter im Internet und bekam neulich von Ebay die goldene Nahkampfspange verliehen. Ohne DSL wäre ich aufgeschmissen, das gebe ich als Landei in meinem winzigen Dorf ohne jegliche Infrastruktur gerne zu.

Vieles hat sich geändert, seitdem man mit banger Miene am Rechner (Windows 3.1) saß und darauf wartete, dass die blecherne Frauenstimme verkündete: „Sie haben Post.“ Websites bauen sich mittlerweile auf wie der Blitz – zumindest die meisten, sogar Verkehrs-Ampeln werden übers Netz geschaltet, sämtliche Nachrichten gibt es auf Facebook, und ich könnte sogar online beichten, was aber nicht nötig ist, denn ich bin immer brav. Kleiner Scherz am Rande.

In Deutschland existierten bis zum 31.12.2018 insgesamt 34 Millionen Breitbandanschlüsse, und das Verzeichnis meiner Internet-Accounts von „A“ wie „Amazon“ bis „Z“ wie Zalando ist länger als das Telefonbuch von Hamburg. Wie ich allerdings zu XING oder Instagram wieder reinkomme, habe ich vergessen, weil ich mir die 579.247 Passwörter von meinen diversen Onlinekonten nie irgendwo aufgeschrieben habe. Jedenfalls kann ich mit Fug und Recht behaupten: Ich war von Anfang an dabei und bewege mich im Internet wie ein Fisch im Wasser.

Aber eines ist gleichgeblieben über die Jahrzehnte: Männer und ihre Anmachen. Oder ihre Verzweiflung und die befremdliche Marotte, an den unmöglichsten Stellen zwischen Bits und Bytes nach einer Frau zu suchen. Aber lesen Sie selbst:

Neulich zum Beispiel dachte ich mir: „Barbara, du bist doch auf der Suche nach ein paar Leuten, die deine Vorliebe für Filme und Serien teilen, und mit denen du dich regelmäßig treffen und vielleicht sogar einen Stammtisch gründen könntest. Also setz‘ einfach eine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen rein, vielleicht meldet sich ja jemand aus deiner Gegend.“

Sie müssen wissen, ich bin Film- und Serienfan, seit ich im zarten Alter von 17 Jahren „Wiegenlied für eine Leiche“ mit der göttlichen Bette Davis gesehen habe. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich mich wirklich gern gelegentlich mit ein paar sympathischen Menschen darüber unterhalten.

Gesagt – getan. Ich verfasste also eine eloquentes, nett formuliertes Inserat, teilte mein Alter und meine Vorlieben mit (Musik, Lagerfeuer, Lesen usw.) und fragte höflich an, ob jemand im Umkreis von 30 Kilometern jemand Lust hätte, gelegentlich mal etwas gemeinsam zu unternehmen oder einen Stammtisch zu gründen. Insgeheim träumte ich von einer fröhlichen Runde, mit der man ins Kino gehen, einen Biergarten besuchen, vielleicht einen Spiele-Nachmittag veranstalten oder grillen könnte.

„Auf dieser Plattform müssen doch welche zu finden sein?“, überlegte ich. Immerhin bietet Ebay-Kleinanzeigen die Rubrik „Freundschaften“ (zu verschenken!) an. „Kostet nix“ ist ein super Argument. Darum riskierte ich es.

Als sich einen halben Tag nach dem Schalten meines Inserats ein junges Paar aus der nahegelegenen Kreisstadt meldete, freute ich mich wie Bolle. Die beiden beschrieben sich als große Serienfans und hofften laut eigener Aussage, sie wären nicht zu jung für mich. Wir mailten hin und her. Als ich anbot, sie anzurufen, wurden sie vage in ihren Aussagen, denn „sie wollten ihre Telefonnummer geheim halten“, wie sie betonten. Weil ihnen ihr Privatleben sehr wichtig sei. (Mittlerweile verstehe ich auch, warum).

Zwar überlegte ich, dass es ein wenig schwierig sein könnte, sich in einem Biergarten zu treffen, wenn sie doch so viel Wert auf ihre Anonymität legten, akzeptierte aber dann den Wunsch nach Privatsphäre, und wir einigten uns darauf, über Instagram zu kommunizieren. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Wir schrieben uns also weiter nichtssagende Nachrichten. Das ist nervig, und kostet Zeit. Mit einem Telefongespräch wäre alles längst erledigt gewesen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach ungefähr einer Stunde rückten sie endlich mit der Wahrheit heraus. Um Filme oder Serien ging es den beiden nicht, nur um ein paar zwar gesetzlich legitimierte, aber für mich nicht in Frage kommende Schweinigeleien zu dritt oder zu viert. Oder mit wie vielen auch immer. Mehr möchte ich hier nicht preisgeben. Sie wissen auch so, was ich meine.

Abgesehen davon, dass mir dieses Angebot schmeichelte – immerhin bin ich nicht mehr die Frischeste – war ich doch enttäuscht, denn ich suche wirklich nur Gesellschaft. Ganz harmlose Gesellschaft sogar. Also blockierte ich die beiden und verbuchte es unter „Reinfall im Internet“. War ja nicht mein erster.

Weiterhin trudelten auf meine Anzeige Nachrichten ein. Etliche Herren wollten mich unbedingt kennenlernen und teilten mir dies auf mehr oder weniger anzügliche Weise mit. Zwar hatte ich kein Foto von mir eingestellt, aber die Bezeichnung „weiblich“ war scheinbar völlig ausreichend.

„Darf ich dein Freund sein?“, fragte einer. Dagegen wäre überhaupt nichts einzuwenden, würde es sich nicht ums Internet handeln – diese digitale Kloake – handeln, in der sich jeder als das ausgeben kann, was er möchte und sich auch ohne Weiteres als Axtmörder oder frei herumlaufender Psychopath entpuppen kann.

„Ich will dich unbedingt mal treffen!“, schrieb der nächste. Dem hätte ich auch meine Mutter schicken können, denn niemand weiß ja, wie ich wirklich aussehe. Scheint aber auch nicht wichtig zu sein.

Der Dritte kam gleich zur Sache: „Kann ich dich angerufen?“, bat er in holprigem Deutsch. Sonst nichts. „Nein“, schrieb ich.

Ich verrate besser an dieser Stelle nicht, was ich kurz darauf zur Antwort bekam, nur so viel: Der offensichtlich eingesetzte Google -Translator kennt sich mit Schimpfworten nicht wirklich gut aus. Es hatte aber was mit Damen aus dem horizontalen Gewerbe zu tun…

Vielleicht war meine Anzeige einfach nur falsch formuliert gewesen, dachte ich frustriert, löschte mein Inserat und stellte es einen Tag später unverdrossen in der Rubrik „Freundschaften“ nochmal mit neuem Text ein. Er lautete wie folgt:

„Suche Leute in … und Umgebung, die wie ich (w,), auf Filme und Serien stehen. Vielleicht gibt‘s ja irgendwo dort draußen nette Personen mit meinen Interessen.
Eventuell kann man einen Stammtisch gründen oder zusammen mal ins Kino gehen. Lust?
 Alle Kommunikationskanäle offen. Meldet euch.“

Es stellte sich heraus, dass auch dieser Text, bis auf das Kürzel „w“ (weiblich) nicht gelesen worden war.

„Muss dich kennenlernen. Gruß“, verlangte einer anonym. „Wann treffen wir uns?“, schrieb der nächste. Andere waren noch deutlicher, einige drastisch, und die meisten musste ich löschen und anschließend blockieren.

Wer bei Ebay-Kleinanzeigen schon mal was verkauft hat, kennt sicher die Anfragen mit dem Inhalt „Was letzte Preis?“. Und da ich unter „zu verschenken“ stand, schien ich billig geworden zu sein, so kam es mir vor. Genügt tatsächlich das „w“ für „weiblich“ schon als Eingeständnis, dass ich Ausschussware bin, die dringend einen Abnehmer braucht? Was treibt die Herren der Schöpfung an, eine Gebrauchtwaren-Plattform mit einer Single-Börse zu verwechseln? Ist denn nichts harmlos genug, um nicht falsch interpretiert zu werden? Wie könnte ich mein Inserat abfassen, um nicht dreist angemacht zu werden?

Ich bin Autorin und kenne mich mit Worten aus. Aber hier versagt meine Kreativität.

Nach zwei Tagen und dem Beantworten unzähliger dummer Anmachsprüche war ich mittlerweile bereit, entnervt das Handtuch zu werfen, denn ich wollte doch nur ein paar Leute – Alter egal – kennenlernen, mit denen man vielleicht einen Stammtisch gründen könnte, mehr nicht. Aber alle Aspiranten schienen notdürftig bis verzweifelt zu sein und nicht auf Feinheiten wie Alter, Aussehen oder den Zweck meines Inserats zu achten. Hauptsache „w“. Wie meine Mama immer so schön sagte: „In der Not frisst der Teufel Fliegen.“
Und die Fliege war ich.

Mal ganz ehrlich, liebe Männer: Wie kommt ihr auf das schmale Brett, dass ich als gestandene Frau ausgerechnet in einem Online-Portal, auf dem verscheuert wird, was man bei Oma Else im Nachlass gefunden hat, nach einem Mann suche? Haltet ihr mich für einen Dachbodenfund mit kleinen Mängeln, der froh sein muss, dass ihn noch einer nimmt? Ich bin doch kein Kaffeeservice mit angeschlagenem Kännchen oder ein zerfledderter Steiff-Teddy mit nur einem Auge!

Mittlerweile habe ich meinen Inserat-Text um den Satz: „Bitte keine Anmach-Mails, das nervt“, ergänzt. Seitdem ist Funkstille. Kein Schwein ruft… äh schreibt mich an. Ins Kino will auch niemand mit mir, geschweige denn ein Pils mit mir trinken. Hätte ich mir denken können.

Ladies, wenn Sie dringend einen Mann suchen, kann ich Ihnen o.g. Online-Portal nur empfehlen. Finden tun Sie da garantiert was. Rechnen Sie aber sicherheitshalber mit dem Schlimmsten und legen Sie sich ein dickes Fell zu.

Das Verhalten einiger paarungswilliger Männer im Internet ist zum Teil ohnehin grenzwertig, wie ich zu meinem Leidwesen schon Jahre zuvor feststellen musste, als ich zu Recherchezwecken für ein Buch einen Account bei einer großen kostenlosen Internet-Singlebörse anlegte.

Ich gab mir den Namen meiner Lieblings-Figur aus einer bekannten Frauenserie, stellte ein halbwegs akzeptables (aber nicht ZU schönes!) Profilbild ein und beschrieb mich exakt und gnadenlos als das, was ich war, ohne mich zu schonen. Außerdem gab ich explizit an, was ich nicht wollte: Männer, die saufen, Tierquäler, selbstgerechte Besserwisser und Extremsportler (zu anstrengend, meine Damen…).

Als wichtigste Präferenzen für den Mann, den ich suchte, trug ich „Intelligenz“ und „Toleranz“ ein. Aussehen zweitrangig.

Das hätte ich mir alles sparen können. Die lesen nur „weiblich“ und vielleicht noch das Alter, dann geht’s auch schon los, und sie fangen an zu tippen. Keiner von denen, die mich mit beeindruckender Eloquenz („Hallo, wie geht’s?“) anschrieb, hatte mein Profil gelesen. „Weiblich“ genügt. Immer. Zu jeder Zeit.

Einer bettelte: „Bitte, ruf mich an, ich bin so allein.“ Der tat mir leid, aber nicht so sehr, dass ich zum Telefon gegriffen hätte. Ein anderer wies mich darauf hin, ich hätte bei meiner Personenbeschreibung drei Sätze mit dem Wort „Ich“ begonnen, was auf eine gestörte Persönlichkeit hinweise. Leider habe ich nie mehr was von ihm gehört, wo ich doch ansonsten so an Küchen-Psychologie und kostenlosen Analysen meiner Seele interessiert bin.

Der dritte beschrieb detailliert sein einsames Leben mit Hartz IV auf einem stillgelegten Bauernhof und die abgrundtiefe Gemeinheit und Oberflächlichkeit der Frauen, die er bisher kennengelernt hatte, denn die bestanden tatsächlich alle auf fließend warmem Wasser und einer Heizung. Der war eigentlich ganz nett, trotzdem bin ich nicht die Caritas. Wie es dem wohl heute geht? Ich wette, der ist immer noch online.

Am besten fand ich allerdings einen Herrn, den ich um der Anonymität willen einfach mal „Wolpertinger78“ nenne – ein rüstiger Rentner mit boshaften Augen und sieben Haaren in elf Reihen, der verschmitzt in die Kamera lächelte. Bei der „78“ handelte es sich übrigens um sein Alter. Wolpertinger bot mir sofort unanständige Bilder von sich und seinem Penis an, wollte mich innerhalb der nächsten 10 Minuten anrufen, damit wir ein bisschen Telefonsex betreiben können und war erotisch gesehen so ausgehungert, als käme er gerade von einem zehnjährigen Aufenthalt in einem Kloster mit Schweigegelübde zurück.

Als ich ihn entnervt blockierte, war er nach 10 Minuten mit einem neuen Namen (und zwar „Wolpertinger79“) wieder online und ging mir auf den Senkel. Findiger Bursche. Der wird’s noch weit bringen. Den Account bei besagter Single-Börse löschte ich nach Abschluss meiner Recherche, aber gelegentlich juckt es mich in den Fingern, nachzusehen, ob „Wolpertinger78“, der jetzt mindestens „Wolpertinger84“ heißen müsste, noch existiert und immer noch so heiß auf Telefonsex ist.

Diese Erlebnisse beweisen eigentlich zwei Dinge: erstens, dass der männliche Trieb bei vielen niemals endet, und zweitens, dass die Herren online nicht sonderlich wählerisch sind. Niemand von denen, die mir zweideutige Angebote machten, interessierte es, dass ich gerne lese, Tiere liebe oder Filmklassiker und Erdbeeren mag. Denen blieb allein meine Haarfarbe in Erinnerung. Und meine scheinbare Verfügbarkeit.

Es ist wie mit den Wühlkörben beim Discounter. „Oh, eine aufblasbare Kaffeemaschine – brauch‘ ich zwar gerade gar nicht, aber sie ist billig, das nehmen wir mal mit.“

Meine Anzeige unter „Freundschaft“ bei Ebay-Kleinanzeigen läuft übrigens weiter. Ich habe immerhin acht Euro bezahlt, um sie eine Woche lang ganz vorn zu platzieren.
Leider bin ich ziemlich sicher, dass sich niemand melden wird, der Lust auf nette Gesellschaft unter Gleichgesinnten hat (klingt das eigentlich auch schon anzüglich?).

Vielleicht kann mir mal jemand erklären, warum sich Männer mit sexuellen Defiziten bei Ebay auf der Suche nach der Frau für die nächsten zwei Stunden herumtreiben und nicht einschlägige Partnerbörsen oder ein Bordell bevorzugen? Was hoffen sie in den Kleinanzeigen zu finden? Was geht in so einem Männergehirn vor, wie heißt das Hormon, das sie zwingt, in die Tasten zu hauen ohne Rücksicht auf Verluste?

Es ist einerseits zum Schmunzeln. Und andererseits irgendwie traurig, finde ich.

Drücken Sie mir einfach die Daumen bitte. Irgendwo dort draußen sitzen nämlich garantiert ein paar sympathische Couch-Potatoes, mit denen ich mich ganz sicher bestens unterhalten könnte, wenn sie nur mal die Fernbedienung aus der Hand legen und bei Ebay unter „Zu verschenken“ stöbern.

Ich nehme mittlerweile beinahe alles…

Mit geknickten Grüßen

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Seniorin im Park

Meist sind es Frauen, die im Alter alleine sind. Stirbt der einstige Partner, schlägt die Einsamkeit bei älteren Damen oftmals sehr brutal zu. Wer kennt sie nicht – die Bilder aus Städten, in denen Seniorinnen am Fenster sitzen, die Arme auf ein weiches Kissen gelegt? Klar, dieses Bild ist ein Stück weit auch ein Klischee, das sich aufdrängt, wenn man etwas über die Einsamkeit von verwitweten oder jetzt allein lebenden Frauen hört.

Bedingt durch die höhere Lebenserwartung weiblicher Zeitgenossinnen und die hohe Anzahl älterer Menschen, ist Einsamkeit im Alter jedoch tatsächlich ein hochaktuelles Thema. Gesellschaftlich, medial und für viele, deren ältere Angehörige weit weg wohnen, auch persönlich.

Obgleich namhafte Verbände wie die Volkssolidarität, das Rote Kreuz und ähnliche Initiativen eine Menge Angebote für Seniorinnen und Senioren bereithalten, gibt es immer noch genügend alte Menschen, die von diesen Offerten nichts wissen oder solche Angebote nicht in der Nähe haben. Stirbt dann noch die gleichaltrige Freundin, die gut bekannte Nachbarin oder wohnen die Kinder weit weg, schnappt die Einsamkeitsfalle schnell zu.

Senioren-Einsamkeit kann Krankheiten fördern

Dabei geht es hier nicht nur um ausbleibende Karten oder Anrufe zu Feier- und Geburtstagen, nein: wer im Alter einsam und isoliert lebt, ist einem höheren Risiko für Erkrankungen ausgesetzt. Selbst Demenz soll hierdurch begünstigt werden. Das hat voriges Jahr die Politik auf den Plan gerufen und sehr lange schon engagiert sich auch die Schauspielerin Mariella Ahrens gegen Senioreneinsamkeit. 

Solche privaten Initiativen, wie die von Mariella Ahrens, sind wahrscheinlich die, die am ehesten etwas bewirken, da man von den politischen Ansätzen bislang wenig gehört hat.

Umso mehr verdient ein aktuelles Projekt, das sich gegen die Einsamkeit im Alter richtet, Aufmerksamkeit.

Initiiert vom Seniorenbüro Laatzen wird es erstmals am Donnerstag, den 23. Mai 2019, ein kostenloses „Kontakt-Speed-Dating“ für Menschen ab 65 Jahren geben. Bei der Veranstaltung im Stadthaus können andere Senioren kennengelernt werden (Infos am Ende des Artikels). Die Initiatorinnen zielen ganz konkret auf ältere Herrschaften ab, deren Partner oder Freunde schon verstorben sind. Zur Zielgruppe der Teilnehmer gehören aber auch Damen und Herren im gehobenen Alter, die vielleicht aufgrund eines Umzugs neu in der Region sind.

Dass für ein ungezwungenes Kennenlernen die Speed-Dating-Variante zum Einsatz kommt, ist sehr genial, denn: in den meisten Alltagssituationen haben Senioren, deren Partner oder Freunde schon verstorben und die einsam sind, nicht mal im Ansatz solche Möglichkeiten, Gleichgesinnte kennenzulernen. Viele Leute stellen ja schon ab Ende Dreißig fest, wie schwierig es ist – zum Beispiel nach dem Umzug in eine andere Stadt – neue Leute kennenzulernen.

Speed-Dating für Freundschaften auch für zurückhaltende Naturen geeignet

Den Senioren, die an dem Speed-Dating teilnehmen, dürfte es zudem gefallen, dass dieses Konzept so aufgebaut ist, dass man mit seinem Gegenüber nur ein paar Worte wechselt und dann danach schon wieder einem anderen Gesprächspartner gegenübersitzt. Ein Vorteil auch für eher zurückhaltende, ältere Herrschaften!

Wer also eine Oma oder einen Opa oder andere Verwandte, sowie vielleicht auch Nachbarn hat, die oder der seine Zeit zumeist alleine verbringen muss, der sollte die Senioren auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Und da die erwähnte Offerte aktuell nur für Laatzen gilt, macht es sich zudem ganz gut, einfach mal zu recherchieren, in welchen Regionen es welche Angebote für ältere und einsame Verwandte oder Nachbarn gibt.

Das lohnt sich, denn: knüpfen die einsamen Alten neue Kontakte, leben Sie zumeist auf ganzer Linie auf. Seelisch, körperlich und gesundheitlich. Für den Spaziergang im Park oder die Tasse Kaffee auf dem Freisitz wieder nette Gesellschaft zu haben, verschafft bis dato einsamen Seniorinnen und Senioren eine Lebensqualität, die mit Geld nicht zu bezahlen ist!

Infos Speed-Dating Laatzen

Premiere am Donnerstag, 23. Mai 2019, 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Stadthaus.

Wer mitmachen möchte, sollte sich bis spätestens 10. Mai im Seniorenbüro anmelden.

Ansprechpartnerin: Ludmilla Stadler

Telefon: (0511) 82055402

Email: seniorenbuero@laatzen.de.

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

"

Ein Gastbeitrag von Madeleine. Man sagt ja, dass Freunde oftmals mit Passagieren in Zugabteilen vergleichbar sind – sie kommen und gehen. Oder anders gesagt: manche fahren – sinnbildlich gesehen – eine ganz weite Strecke mit einem, andere steigen rasch wieder aus und wieder andere fahren vielleicht die ganze Strecke mit.

Ich finde, dass das ein sehr guter Vergleich ist, besser kann man es eigentlich in Sachen Freundschaft gar nicht ausdrücken.

Und wenn so Mitte Vierzig ist, schaut man doch schon mal zurück auf die eigene, bisherige „Fahrt“ und stellt fest, dass man schon so manchen „Mitfahrer“ hatte, der dann irgendwann doch ausstieg.

In Sachen Freundschaft beginnt meine reguläre Erinnerung mit der Schule. Grundschule sagte man damals noch nicht, aber heute würde man es so nennen.

Ich wurde eingeschult und freundete mich sogleich mit Katrin an, einem Mädchen, das ebenfalls in meiner Klasse war. Es war eine sehr schöne Mädchenfreundschaft, die allerdings jäh` endete, als Katrin mit ihren Eltern wegzog. Das war vielleicht 18 Monate nach der Schuleinführung. Ich war sehr traurig, aber im Gegensatz zu anderen Freunden, deren Mitfahrt in meinem „Lebenszug“ (wenn man es wieder mit einem Zugabteil vergleicht) auch nicht lange währte, habe ich hier keine Erinnerung an eine lange Traurigkeit. Vielleicht war sie da, vielleicht überwand ich den Verlust aber auch schnell – ich weiß es nicht mehr. Es liegt wohl einfach zu lange zurück.

Wahrscheinlich hatte man aber auch seinerzeit in Sachen Freundschaft eine gewisse Unbeschwertheit, mit der man die Dinge anging, die man SO später nicht mehr hat, auch das kann sein.

Was es heißt, eine Freundschaft, die man verliert, nicht mehr wirklich unbeschwert wegzustecken, erfuhr ich viele Jahre später, vor dem letzten Schuljahr, mit 15.

Ich hatte – nachdem die erste, eingangs erwähnte, Freundin wegzog – schnell wieder Anschluss gefunden und fand das, was man eine Schulfreundin nennt: Ariane, eine Mädchen aus meiner Klasse.

Wir verbrachten die vielen Schuljahre damit, die Zeit nach der Schule zu vertrödeln, verliebten uns auf Klassenfahrten in Jungs, die wir nie wiedersahen und bummelten unzählige Male durch unsere Kleinstadt. Auch die Hausaufgaben erledigten wir nur zu oft zusammen, obwohl das manchmal gar nicht so einfach war, denn: wir waren beide nicht sehr gut in Mathe.

Eines Tages – ich erinnere mich noch wie heute an diesen Tag – eröffnete mir Ariane, dass sie und ihre Eltern umziehen werden.

Ich weiß noch, wie wir zwei zusammen an dem Verkaufsstand eines Kaufhauses standen, den man, da es so heiß war, kurzerhand vor dem Gebäude aufgebaut hatte.

Dass wir dort standen, war der sogenannten „Ferienarbeit“ geschuldet. Viele Schüler unserer Kleinstadt suchten sich in den Sommerferien einen kleinen Job, um etwas Taschengeld zu verdienen, so auch Ariane und ich, die in dem besagten Kaufhaus fündig wurden. Ich erinnere mich, dass wir viel Spaß hatten bei diesem Job, viel lachten und es uns überhaupt nicht wie Arbeit vorkam.

An diesem Tag jedoch war mir das Lachen vergangen. Es waren die letzten Tage vor Schulbeginn, vor der 10. Klasse – unserem letzten Schuljahr. Ariane erzählte mir, dass der Umzug wegen dem Beruf ihres Vaters nötig und die Entscheidung in ihrer Familie bereits gefallen ist. Ihr neuer Wohnort sollte Hunderte Kilometer von unserer Heimatstadt entfernt liegen. Ich war wie betäubt, als ich diese Hiobsbotschaft vernahm und der Ferienjob, den wir `eh nur noch ein paar Tage hatten, war gelaufen.

Wieder einmal stieg ein „Passagier“ auf „meiner Zugfahrt“ aus.

Es war furchtbar. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, wie ich die vor mir liegende Zeit – und auch das letzte wichtige Schuljahr – ohne meine Ariane meistern soll.

Nun – wie es aber mit fast allem im Leben so ist: es ging. Musste ja. Ariane war weg und ich hing ein bisschen rum wie Falschgeld. Aber irgendwie packte ich es. Musste ich ja.

Nach dem Schulabschluss erfolgte der Start in die Ausbildung. Auch hier wimmelte es wieder von neuen Leuten. Ich fand Anschluss, ein paar Freundinnen, aber nicht wirklich eine „beste Freundin“. Erst später, als ich in meinem Beruf arbeitete, betrat eine neue Person „mein Zugabteil“ und sollte eine ganze Strecke mitfahren: Gesine.

Gesine lernte ich auf meiner damaligen Arbeitsstelle kennen und freundete mich schnell mit ihr an. Damals hatte ich einen Freund und auch Gesine war in einer Beziehung. Auch unsere Partner hatten einen Draht zueinander, so dass wir schöne Zeiten verbrachten: Gartenpartys, Unternehmungen, gemeinsame Urlaube – wunderbar!

Doch auch Gesine verlor ich irgendwann als “Mitfahrerin“ in meinem Lebenszug, der Grund dafür ist schnell erklärt: ich trennte mich irgendwann von meinem damaligen Freund und leider schlug sich unser bis dahin gemeinsamer Freundeskreis auf die Seite meines Exfreundes.

Aber ich überstand das. Und traf irgendwann Manuela wieder – eine junge Frau, die einst in meine Schule ging. Nicht in dieselbe Klasse, aber man kannte sich. Als ich sie wiedertraf, geschah das in meinem nun schon beruflich gefestigtem Umfeld. Wir kamen ins Gespräch, stellten viele Gemeinsamkeiten fest und irgendwann entwickelte sich eine Freundschaft, die Jahrzehnte dauern und eines Tages auf höchst traurige Art zerbrechen sollte.

In meinem Leben folgten dann ein neuer Job und auch ein Ortswechsel. Auch Manuela machte Karriere, in einer anderen Stadt. Unserer Freundschaft allerdings tat das keinen Abbruch, wir telefonierten jeden (!) Tag und sahen uns an freien Tagen oder an Wochenenden. Da auch Manuela Single war, konnten wir uns ganz auf unsere Freundschaft konzentrieren, die mit den Jahren immer vertrauter wurde. Wir fuhren gemeinsam in den Urlaub und verbrachten auch viele Feiertage zusammen. Irgendwann waren wir über den Status der Freundschaft fast hinaus, im positiven Sinne gesehen. Wir waren wie Schwestern! Und auch die Entfernung machte uns nichts aus – immerhin wohnten wir ja in verschiedenen Städten, die über Hundert Kilometer voneinander entfernt waren.

Durch das Telefon und die damit geführten, täglichen Telefonate waren wir immer im Alltag der jeweils anderen präsent, es gab nichts, was wir nicht besprachen.

In dieser Zeit, die sich über mehrere Jahrzehnte zog, stiegen in meinen Lebenszug natürlich auch andere „Passagiere“ zu – es entstanden parallel auch Freundschaften zu anderen Frauen. Oftmals lernte ich diese berufsbedingt kennen oder auch in meiner Freizeit.

Allerdings muss ich sagen, dass sich all diese Freundschaften irgendwann wieder gelöst haben – die „Mitfahrer“ sind wieder ausgestiegen aus meinem „Zugabteil“. Im Rückblick gesehen, kann ich bei manchen der verflossenen Freunde gar nicht mal so genau sagen, warum das so war.

Vieles verlief sich – wie man so sagt. Bedingt durch die Umstände des Lebens – Beruf, Familie, Kind, Haus und Hof – lief manche Freundschaft einfach sang- und klanglos aus, so dass man das erst richtig bemerkte, wenn diese Menschen nicht mehr im eigenen Leben präsent waren. Manchmal aber – auch das gehört dazu und soll ja auch bei Passagieren in Zügen vorkommen – gab es auch einen Streit, der dann kein Zurück mehr zuließ.

Ich bedauerte all diese vergangenen Freundschaften sehr, aber diese Verluste zogen mich nicht runter. Was auch daran liegen kann, dass ich seinerzeit ein sehr abwechslungsreiches Leben führte und ständig neue Menschen kennenlernte. Natürlich wurden viele NICHT meine Freunde, sondern blieben einfach Bekannte, aber so manche oder so mancher stieg doch zu – für ein paar Stationen mit mir in ein- und demselben „Zugabteil“.

Manchmal sogar für Jahre, aber nie für ewig.

„Ewig“ – dieses Attribut galt für mich nur für die Freundschaft mit Manuela. Auch sie muss so empfunden haben – was sich darin äußerte, dass wir beide manchmal lachend davon erzählten, wie wir wohl als alte Omis zusammen eine coole Senioren-WG aufzogen und uns am Kamin endlos über alte Zeiten austauschen.

Zwischenzeitlich hatten wir beide feste Partner und auch Kinder, doch unsere Freundschaft glitt dahin, wie eh und je. Mit täglichen Telefonaten, gemeinsam verbrachten Feiertagen, und, und, und…Logisch, dass auch unsere Partner und der Nachwuchs mittlerweile in unsere jahrzehntelange Freundschaft (mittlerweile schauten wir auf über 35 Jahre zurück!) involviert waren.

Dass sie je vor unserem Tod enden könnte, war wohl weder für Manuela noch für mich vorstellbar.

Und doch war es so. Dass der Grund dafür nicht mal ein handfester Streit oder ein anderes einschneidendes Ereignis war, macht mich bis heute betroffen, denn unsere Freundschaft – kein Witz! – ging auseinander durch unsere unterschiedlichen Ansichten in Sachen Politik. Seit 2015 spaltete sich fast ganz Deutschland in zwei politische Lager und davon blieb auch unsere Freundschaft nicht unberührt. Hatten wir bis dato das Thema Politik kaum in unserer Freundschaft thematisiert, war das nun ausgerechnet das, was uns trennen sollte – wahrscheinlich für immer.

Auf die Einzelheiten will ich hier nicht näher eingehen, nur so viel: da wir beide in grundverschiedenen politischen Lagern standen, war kaum mehr eine Annährung möglich – das Thema Politik überstrahlte alles und ließ all das, was die Freundschaft in den vergangenen Jahrzehnten ausmachte und zusammenhielt, in den Hintergrund rücken.

Erschwerend kam hinzu, dass in Manuelas Umfeld alle, wirklich alle, ihrer politischen Meinung waren und ich mit meiner Einstellung ihr gegenüber allein auf weiter Flur stand.

Eines Tages kündigte mir Manuela an, den Kontakt abzubrechen und das tat sie dann auch.

Sie hat sich zu keinem Ereignis mehr gemeldet, nicht einmal zu meiner Hochzeit, von der sie vor dem Zerbrechen unserer Freundschaft lange schon wusste und eigentlich auch eingeladen war. Auf eine kurze Nachricht meinerseits, die ich ihr zu einem wichtigen Anlass schickte, reagierte sie nicht und ich ahne, dass das so bleiben wird.

Manuela ist – um wieder mit der Zugfahrt ins Bild zu kommen – kurz vor dem Ende der „Fahrt“ ausgestiegen. Eine „Fahrt“, die sie so lange gemeinsam mit mir absolvierte. Was bleibt, sind Kisten voller Erinnerungen. Bilder, Souvenirs, Geschenke, Karten, Briefe…Vieles davon habe ich in den Keller gestellt, verpackt in Kisten.

Ich habe heute nur noch wenige Freunde. Eigentlich nur einen kleinen, feinen Kreis. Mit ihnen fühle ich mich wohl, obgleich ich den Verlust von Manuela wohl nie verwinden werde. Oder vielleicht erst in einigen Jahren – ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es einer gewissen Tragik nicht entbehrt, dass ausgerechnet so etwas Profanes wie die Politik eine Freundschaft trennt. Aber so ist es nun einmal – das ist meine Realität.

Eine Realität, die von der Vergangenheit geprägt ist und die ich – etwas abgewandelt – mit den Worten beschreiben kann, die Peter Maffay in seinem Lied „Andy“ (ein Lied über eine Freundschaft, die jäh endet) singt:

„Doch heute bin ich froh, dass ich sagen kann, ich kannte einen Menschen, und er war – ja – er war mein Freund“.

Bildnachweis: pixabay.com

Pleite, Liebeskummer oder Job weg – wer als Frau in einer solchen Situation steckt, der dürfte in den meisten Fällen erstmal die Nummer der besten Freundin (oder einer guten Freundin) anwählen. Freundinnen sind in solchen Fällen sofort zur Stelle, geben Lebenshilfe aus dem Stand heraus – ganz gleich, ob persönlich oder erstmal nur am Telefon.

Ihr Trost und ihre Ratschläge, wie es nun weitergehen soll, machen zumeist jedem Coach oder auch Psychologen alle Ehre! Meist nimmt man das im Alltag aber eher nicht so wahr, weil sie eben da ist, wenn es heißt: „Land unter!“: die gute Freundin.

Da glüht schon mal eine Standleitung via Telefon, hockt man stundenlang zusammen, wird umarmt und getröstet, wenn Tränen fließen.

Das kennt wahrscheinlich jede Frau, die das Glück hat, einen oder mehrerer solcher wunderbaren Menschen in ihrem Umfeld zu haben.

Was hier im Rahmen der Freundschaft oftmals geleistet wird, ist in der Tat immens!

Zeit, Energie, Lebenshilfe – eigentlich all das, was professionelle Anbieter im Rahmen ihrer Tätigkeiten kostenpflichtig anbieten, bekommt, wer mit einer guten Freundschaft gesegnet ist, umsonst.

Andererseits: die meisten Frauen, die eine solche Anteilnahme durch die Freundin erfahren, geben selbige auch wieder zurück, wenn irgendwann die Freundin in einer schlechten seelischen Verfassung ist – unter Frauen ist das Ehrensache!

Die meisten von uns werden es wohl schon mehr als einmal erlebt haben, dass das Telefon ging und die (beste) Freundin atemlos durch den Hörer gab, was ihr widerfahren ist.

Das kann im schlimmsten Fall auch eine Fehlgeburt oder eine Krebsdiagnose sein – Ereignisse also, gegen die der Liebeskummer wegen dem frisch kennengelernten Typ aus der Singlebörse nur lari-fari ist.

Auch bei solchen Tragödien können die meisten Frauen darauf zählen, dass die Freundin sie nur kurze Zeit später in die Arme schließt.

Aber – um auf die Frage der Überschrift zurückzukommen: Wieviel Coach steckt denn nun eigentlich in der energie- und kraftspendenden Freundin, die in Krisensituationen da ist?

Am besten schaut man sich zunächst einmal die Leistung an, die ein professioneller Coach für Lebenshilfe anbietet. Per Google werden erwartungsgemäß unzählige Treffer ausgespuckt, wir haben uns mal einen unter den ersten Treffern der Suchanfrage herausgepickt – einen Coach für mehr oder weniger allgemeine Lebenshilfe, ein Mann.

Mit seinem Leistungsspektrum offeriert er – kurz und knapp zusammengefasst – folgendes:

  • Problemanalyse,
  • Methodisches Vorgehen zur Problemlösung,
  • Klarer Blick auf die aktuelle Lebenssituation,
  • Beistand in der Entscheidungsfindung,
  • Motivation in der Umsetzung.

Schaut man sich diese Punkte an, wird man gar nicht so viele gravierende Unterschiede zum Freundinnen-Beistand in tiefen Lebenskrisen finden.

Natürlich soll hier keineswegs das Können und das Know-How erfahrener Coaches oder Psychologen in Abrede gestellt werden. Aber – um die Eingangsfrage abschließend zu beantworten: die Ratschläge der Freundin, ihr Beistand, ihre Unterstützung und ihre enge Begleitung auf dem Weg der Problemlösung – da steckt definitiv einiges von dem drin, was andernorts als kostenpflichtige Leistung angeboten wird.

Deshalb ist es wohl der Joker im Leben, eine oder mehrere gute Freundinnen an seiner Seite zu haben und damit die Gewissheit, beim nächsten Faustschlag, den das Leben verpasst, nicht ganz allein da zu stehen.

Diese schöne Gewissheit – und das soll die Kernaussage unseres Artikels sein – sollte man sich von Zeit zu Zeit immer mal ins Gedächtnis rufen und die liebe Freundin im Alltag lieber einmal mehr als einmal zu wenig verwöhnen. Mal eben ihren Lieblingskuchen vorbeibringen, von unterwegs – auch wenn man nur in heimischen Gefilden seiner Wege geht – mal eine schöne Karte mit einem schönen Zitat, das Wertschätzung ihr Gegenüber zum Ausdruck bringt, schreiben, mal großzügig für sie kochen und, und, und….

All diese Kleinigkeiten – ja! – sie erhalten die Freundschaft. Und: es müssen mitnichten immer Geschenke sein! Kleine Aufheiterungen und Freuden im Alltag, die durch Gesten denn durch Konsum punkten, das hat was.

Und: sie weiß es zu schätzen! Ganz sicher!

Bildnachhweis: pexels.com

Ein Gastbeitrag von Christine. Wer kennt es nicht?! Situationen, in denen spontaner Besuch kommt.

Natürlich wird dann die aktuelle Verrichtung, bei der man gerade war, unterbrochen, es wird Kaffee aufgesetzt und sich dem unvorhergesehenen Gast gewidmet. So oder ähnlich läuft es wahrscheinlich überall, wenn auf einmal die Freundin, die Nachbarin oder eine gute Bekannte ganz unverhofft in der Küche sitzt.

Doch nicht bei allen Leuten stoßen solche Spontanbesuche auf positive Resonanz, im Gegenteil: viele Menschen mögen das gar nicht und machen dann halt nur gute Miene zum bösen Spiel.

Andere wiederum pflegen die Gastlichkeit eines offenen Hauses und haben überhaupt kein Problem mit unvorhergesehenem Besuch.

Ich selbst hatte eine Mutter, die spontanen Besuch überhaupt nicht mochte, aber relativ oft welchen bekam. Der Grund lag nahe, denn wir wohnen inmitten der Innenstadt, direkt ein paar Meter von der Fußgängerzone unserer Kleinstadt entfernt. Wer immer also Erledigungen und Einkäufe in der Stadt machte, kam kurz auf einen Sprung vorbei – im Laufe der Zeit kamen viele. Kolleginnen meiner Mutter, Freundinnen, gute Bekannte…

Obwohl meine Mutter das nicht mochte, machte sie aber immer gute Miene zum bösen Spiel, kochte Kaffee, servierte Gebäck oder – wenn im Hause – Kuchen und plauderte mit dem Besuch.

Erst im Nachgang, wenn der Gast – manchmal erst abends – wieder aufbrach, machte meine Mama ihrem Ärger gegenüber dem Rest der Familie Luft. Meist dann, wenn sie die für den Besuch unterbrochene Hausarbeit wieder aufnahm und nun bis spät abends damit beschäftigt war, womit sie doch längst schon fertig sein wollte. „Das hat mich nun ganz aus der Ordnung gebracht“ pflegte sie dann zu sagen.

Dazu muss man erwähnen, dass meine Mutter seinerzeit – das war in den Siebzigern und Achtzigern – ein paar Stunden arbeitete, sich dann um die Buchhaltung meines selbständigen Vaters kümmerte und natürlich parallel uns Kinder und den Haushalt in ihrer Verantwortung hatte.

Dass man da irgendwann auch mal mit der Hausarbeit fertig sein und nicht über Stunden unvorhergesehenen Besuch unterhalten möchte, ist klar.

Das komplette Gegenteil erlebte ich als Kind bei meiner Oma, die ebenfalls – und zwar direkt gegenüber von uns – lebte und das führte, was man ein offenes Haus nannte.

Da sie ihre komplette Verwandtschaft auf dem Land hatte, kehrten diese, wenn sie denn Besorgungen in der Stadt machen mussten, fast immer bei Oma ein – unangekündigt, versteht sich. Denn dazumal, in der DDR, hatte kaum jemand Telefon. Da aber meine Oma ein zu damaligen Zeiten außergewöhnliches Leben führte, als Unternehmer-Gattin und mit Putzfrau, musste sie sich nicht wirklich mit Haushaltsstress herumplagen und war deshalb auch nicht verschnupft, wenn unverhofft Besuch kam. Im Gegenteil: es wurde aufgetischt, geschwatzt, gelacht und der neueste Klatsch ausgetauscht, oft über Stunden. Und nicht selten schneiten noch andere Verwandte vom Land, die ebenfalls an dem Tag in der Stadt unterwegs waren, herein und das Kaffeekränzchen war perfekt!

Und ich – ich gehe ganz anders mit spontanem Besuch um. Es mag hart klingen, aber ich empfange keinen spontanen Besuch.

Ich hasse es, „aus der Ordnung“, wie es meine Mutter früher nannte, gebracht zu werden.

Und – ja – ich habe sogar schon die Klingel abgestellt, wenn ich meine Ruhe haben wollte oder auf Klingeln gar nicht reagiert, wenn ich hinter den Gardinen unvorhergesehenen Besuch anrücken sah.

Ich geb`s zu: ich mag das nicht. Ich habe selbst ein ziemlich ausgefülltes Leben, mit einem stressigen Job, eigenen Hobbys und einem eigenen Haushalt. Und wenn ich mal in Ruhe den Luxus eines guten Buches genießen will, dann will ich eines ganz bestimmt nicht: dass jemand unverhofft vorbei kommt! Ist so.

Natürlich habe ich auch einen Freundeskreis, aber wir alle treffen uns nach Absprache – immer. Ohne Verabredung vorher läuft nichts. Vielleicht ist das auch dem jetzigen Zeitgeist geschuldet – die schnelllebige Zeit, das Business, der Alltag, der oft genug Stress mit sich bringt, und, und, und…..Zumindest scheint keiner Lust auf spontane Treffen zu haben, ich für mein Teil kenne es jedenfalls aus dem eigenen Freundeskreis nicht, dass jemand spontan zu irgendwem geht.

Obgleich – da bin ich mir sicher – es auch heute bestimmt noch unzählige Leute gibt, die gegen Spontanbesuche nix haben und sich sogar darüber freuen.

So oder so – es ist wie mit allem. Was für den einen okay geht, ist für den anderen ein absolutes NO GO. Das ist in Ordnung so und absolut legitim!

Bildnachweis: pexels.com

Freundschaften und Geld – ein nie endendes werdendes Thema! Zu viele Leute tangiert das Verborgen von Geld, die meisten können wohl hiervon das berühmte Lied singen. So auch unsere Kolumnisten Barbara Edelmann, die mit dem schöden Mammon, im Zusammenhang mit Freundschaften, so ihre eigenen Erfahrungen gemacht und sich dieser Thematik ausgiebig gewidmet hat:

Wissen sie, wie ich meine Freunde verloren habe?

Sie stürzten nicht in Gletscherspalten oder wurden von Dreißigtonnern überfahren, sie starben nicht an einer Krankheit oder wurden von einem Asteroiden erschlagen, sie wurden nicht von Außerirdischen entführt, von Tsunamis untergepflügt oder verschwanden einfach so beim Zigarettenholen.

Ich habe ihnen Geld geliehen.

Würden Sie mich nach meinem Sternzeichen fragen, müsste ich antworten „Depp im vierten Haus, Aszendent Trottel“, denn ich war selbst schuld. Diese Freunde pumpten mich nie direkt an. Naja. Machen wir uns nichts vor. Sie kannten mich und wussten, dass eine traurige Geschichte genügt.

Meine Oma besaß ein kleines schwarzes Büchlein, das sie hütete wie einen Schatz.

Einmal durfte ich einen Blick hineinwerfen. Akribisch war jeder Betrag notiert, den sie mir je zukommen hatte lassen, auch wenn es sich nur um einen Euro gehandelt hatte.

Immerhin brachte sie es unter anderem dadurch auf stattliche drei Immobilien, um die sich ihre Kinder streiten konnten.

Ich hätte mir wohl auch so ein Büchlein zulegen sollen. All die „ausgelegten“ Kino-Karten, Bestell-Pizzas, Eisbecher in Biergärten, Tankfüllungen, Bahn-Tickets, Schuh-Sonderangebote und Ski-Pässe würden sich wahrscheinlich auf einen Gebrauchtwagen summieren.

Aber ich führe kein Buch, sonst wäre die Liste der Personen, die mit mir nicht mehr reden, weil sie mir Geld schulden, noch länger.

Dabei verfüge ich nicht über Reichtümer, doch ich wollte einfach nie jemand sein, dem man seine ersparten Scheine aus den erstarrten Fingern reißen muss. Geiz mag ich nicht. Ich lebe nicht über meine Verhältnisse und bin finanziell vorsichtig. Warum das Schicksal mir immer menschliche „Grillen“ schickt, die den ganzen Sommer auf die Pauke hauen, anstatt sich Vorräte für kommende Winter anzulegen, weiß der Himmel. Zum Dank für meine Hilfe ignorieren sie mich und kicken mich aus ihrem Leben.

Jedes Mal, wenn ich bisher Geld verlieh, kriegte ich im gleichen Moment einen drei Meter hohen, fünf Tonnen schweren knallrosa Elefanten geliefert, der bei jeder Begegnung mit einem meiner Schuldner mitten im Raum steht und spöttisch seinen Rüssel hebt. Er ist nicht zu übersehen, aber alle tun, als wäre er nicht da.

Nie sagt jemand: „Hey – da steht ein riesiger knallrosa Elefant neben deinem Vorhang. Vielleicht sollten wir mal drüber reden, dass du von mir noch Geld kriegst, ich hab’ hier 50 Euro, den Rest stottere ich ab wie vereinbart.“ Nie.

Nehmen wir zum Beispiel Susi. Seit unserer Teenagerzeit waren wir ein Herz und eine Seele und beste Freundinnen über drei Jahrzehnte. Ich bin Taufpatin eines ihrer Kinder, sie war meine Trauzeugin, zusammen mit Wolfgang, zu dem ich anschließend komme.

Susi ist geschieden, immer mal wieder solo, so alt wie ich, bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt und ständig knapp bei Kasse. Das liegt nicht unbedingt daran, dass sie schlecht verdient, sondern ist ihrer Vorliebe für hochpreisige Unterwäsche, farbenprächtige Cocktails in schummrigen Bars und ihrer Schwäche für den Lebensstil von Melania Trump geschuldet. Susis Einkommen kann nämlich mit ihren Ansprüchen nie Schritt halten. Das war noch nie anders.

Bei Susi ist ab jedem 10. zu viel Monat am Ende des Geldes. Trotzdem mochte ich sie sehr, denn wenn man jemanden sein Leben lang kennt, sieht man ihm einiges nach.

„Hör auf mit deinen Predigten“ winkte sie jedes Mal lachend ab, wenn ich ihr zaghaft vorschlug, sich ein wenig einzuschränken. Dafür lebt sie einfach viel zu gern.

Dann wurde Susis Haustier krank: eine Norwegische Waldkatze, an der sie sehr hing. Susi konnte sich die Tierklinik nicht leisten, denn es war der 5. März, ging also schon wieder in Richtung Monatsende. Sie heulte ins Telefon, und mir brach beinahe das Herz. Darum bot ich ihr an, sie sollte das kranke Tier in die Klinik bringen und mir die Rechnung schicken. Die könnte sie dann bei mir abstottern.

Ein tolldreistes Angebot, denn ich wusste bis dahin nicht, wozu Veterinäre beziehungsweise ihre Buchhalter fähig sind.

Die Katze musste trotz aufwändiger Behandlung eingeschläfert werden, und ich bekam von Susi die Rechnung übersandt. Als ich den Umschlag öffnete, fing diese kleine Ader an meiner rechten Schläfe zu pochen, als würde sie gleich platzen, aber das tut sie immer, wenn es um Beträge geht, die mein monatliches Einkommen übersteigen. Da würde ich wohl an mein Sparbuch müssen. Ich hatte an einen Betrag von 200 oder 300 Euro gedacht. So kann man sich täuschen.

Versprochen war versprochen, oder? Also zahlte ich.

Und dann wartete ich. Und wartete. Und wartete. Susi meldete sich mittlerweile selten bei mir. Normalerweise rief sie mindestens zweimal die Woche an, jetzt hörte ich über zwei Monate fast nichts.

Gelegentlich bekam ich eine SMS mit dem Inhalt: „Ich weiß nicht mehr weiter. Am liebsten würde ich mich erhängen. Glaube nicht, dass ich mir noch was zu essen leisten kann.“

Ich bestellte bei einer größeren Firma einen Karton italienischer Pasta plus dazugehöriger Sauce und ließ es an ihre Adresse – eine schicke Dachgeschoßwohnung in der Innenstadt – liefern.

Die SMS hörten nicht auf. Immer häufiger kam darin das Wort „Erhängen“ darin vor, wahlweise „Strick“. Also schrieb ich ihr zum Geburtstag eine Karte: „Liebe Susi, ich erlasse dir hiermit deine Tierarztrechnung. Das ist mein Geschenk für dich. Alles Gute.“

Ich wusste genau, dass ich es ohnehin nie wieder bekommen würde.

Eine Woche darauf besuchte Susi mich auf eine Tasse Kaffee. Stolz drehte sie sich in einer nagelneuen schwarzen Lederjacke um die eigene Achse. „Wie findest du die?“ fragte sie und funkelte mich an. „War gar nicht teuer, nur knapp 100 Euro.“

„Aber ich dachte, du weißt nicht mehr, wie du finanziell klarkommst?“ fragte ich verdattert. Der riesige rosa Elefant neben dem Vorhang trompetete dankbar. Er hatte es satt, ignoriert zu werden. „Hätte ich mir denken können! Von wegen großzügig! Auf deine Geschenke kann ich in Zukunft verzichten!“ fauchte Susi, schnappte sich ihre „Michael Kors“-Handtasche und kündigte mir, als sie wieder zuhause war, mittels Whats App fristlos unsere über 30jährige Freundschaft.

Auf Emails oder andere Nachrichten reagierte sie einfach nicht mehr.

Bis heute weiß ich nicht einmal, ob sie noch lebt, denn um ihr nachzulaufen, war ich zu stolz. Sie würde mir ohnehin nur die Tür vor der Nase zuschlagen. Ab und an fahre ich bei ihr vorbei und lese das Klingelschild, weil ich immer noch nicht fassen kann, was genau denn nun schiefgelaufen ist.

Ich lerne scheinbar äußerst langsam. Nur so kann ich mir erklären, dass mir etwas Ähnliches kurz darauf mit Wolfgang passierte. Wir kannten uns bis dato 12 Jahre. Wolfgang lebt 600 Kilometer von mir entfernt in einer Großstadt. Seine Töchter hatten bei mir auf dem Land alle ihre Ferien verbracht, er war zusammen mit Susi Trauzeuge auf meiner Hochzeit gewesen, und wenn einer von uns Kummer hatte, telefonierten wir stundenlang. Ja, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Wolfgang mein Freund war.

Er leitete eine kleine Heizungsbaufirma mit zwei Angestellten und zog seine beiden Töchter nach einer hässlichen Scheidung allein groß. Beide bekamen täglich frischgekochte Mahlzeiten, er wusch, bügelte, kontrollierte ihre Hausaufgaben, kümmerte sich um seine Eltern, als sie Pflegefälle wurden – und stürzte dann plötzlich ab, nachdem die Kinder erwachsen und die Eltern tot waren. Der Alkohol kriegte ihn in seine hässlichen Fänge.

Wolfgang  stürzte so brutal ab, dass er seine Firma verlor und sogar seine Wohnung. Daraufhin kroch er bei einer Exfreundin im Souterrain ihres Hauses unter, die ihn aus Mitleid aufgenommen hatte. Glücklich war sie über dieses Arrangement nicht, denn mittlerweile schuldete ihr Wolfgang drei Monatsmieten, wie er mir zerknirscht am Telefon eingestand.

Ich bin Sternzeichen Depp. Denken Sie bitte daran.

Darum lieh ich ihm das Geld für die ausstehenden Mieten und noch ein bisschen mehr, denn er brauchte doch auch was zu essen.

Kurz darauf verlor ich Wolfgang, wie bereits Susi zuvor. Er schickte mir genau eine einzige Rate in einem Brief. Danach war er nicht mehr zu erreichen. Weder am Telefon, noch per Email, SMS oder Whats-App. Bei Facebook hatte er mich entfreundet und blockiert. Genau wie bei Susi wusste ich nicht einmal, ob er noch lebte. Das wurde allmählich zu einer lieben Gewohnheit.

Gibt es eigentlich Friedhöfe für gestorbene Freundschaften? Warum hatte ich ihn nichts unterschreiben oder wenigstens den Empfang quittieren lassen? Fragen über Fragen.

Zu Weihnachten schickte ich ihm eine Karte, auf der stand: „Du musst ganz schön viele Freunde haben, wenn du dir erlauben kannst, sie so zu behandeln.“ Natürlich reagierte er nicht. Und mein Geld war weg. Wieder mal.

Das ärgerte mich nicht – es tat mir weh. An diese Freundschaft hatte ich – genau wie zuvor bei Susi – geglaubt. Aber scheinbar hatte auch sie eine Halbwertzeit von 2000 Euro.

Düster nahm ich mir vor, in Zukunft gnadenlos zu werden. Ich würde mich ändern, nie mehr etwas verleihen. Die sollten mich alle kennenlernen. Knallhart würde ich sein. Nie mehr auf traurige Geschichten hereinfallen. Es ging genauso lange gut, bis Beate kam. Eine alleinstehende Frau Ende 40, schwierige Kindheit, immer auf der Suche nach Mr. oder Mrs. Right, Beate ist nämlich bisexuell und sehr einsam. Auch Beate kannte ich damals schon über 20 Jahre.

Mit Tränen in den Augen saß sie mir gegenüber und erzählte von dem Kirchenchor-Ausflug, an dem sie so gerne teilnehmen wollte. Nach Rom sollte es gehen, doch 500 Euro fehlten ihr noch. Und jetzt musste sie wohl zuhause bleiben, während sich ihre Sängerfreude auf dem Petersplatz gegenseitig fotografierten und abends unter dem römischen Himmel von unfreundlichen Kellnern bedient wurden.

„Ich arbeite so hart, und jetzt reicht es nicht mal für so was.“ Mit tränenfeuchten Augen sah Beate mich an.

Mein Deppen-Gen zwickte mich in den Nacken, also holte ich seufzend das Geld, überreichte es ihr und öffnete resigniert gleichzeitig die Tür für den großen rosaroten Elefanten, der ungeduldig draußen wartete. Er nahm, wie gewohnt, mitten im Raum Platz und sah mich höhnisch an.

Beate fiel mir um den Hals, verabschiedete sich freudestrahlend und verschwand in ihrem blitzblanken schwarzen Cabrio nach Hause. Kaum war sie weg, kriegte ich von meinem Verstand eine Standpauke.

„Bist du komplett bescheuert?“ fragte er wütend. „Beate arbeitet als Hausdame für dieses reiche Ehepaar am See und verdient 2600 Euro netto im Monat. Außerdem hat sie zwei Wohnungen in ihrem Haus, das längst abbezahlt ist, vermietet. Ich glaube, ich muss dich entmündigen, du dumme Gans. Ab jetzt übernehme ich.“

Wie es weiterging? Genau ein einziges Mal hatte ich noch Gelegenheit, mit Beate zu sprechen. Sie rief mich an, um sich bei mir über ihre Mieter zu beschweren, weil die ihr eine Python als Haustier verschwiegen hatten. Darüber war sie außerordentlich entrüstet.

Ganz vorsichtig versuchte ich im Laufe des Gesprächs, unauffällig das Wort „Geld“ unterzubringen, als sie mich abrupt unterbrach, mir erklärte, sie könnte mit so negativen Menschen wie mir nicht befreundet sein und einfach auflegte.

Einfach. Auflegte. Ist wirklich wahr.

„Ich hoffe, du hast es jetzt endlich kapiert, du Dumpfbacke“ sagte mein Verstand grimmig. Vorsichtig sah ich mich um. Der rosa Elefant war verschwunden. ich hoffe, der geht jetzt jemand anderem auf die Nerven, er nimmt nämlich ziemlich viel Platz weg.

Beim dritten Mal tat es gar nicht mehr so weh. Weil ich mir ja vorgenommen habe, aus Fehlern zu lernen.

Viele Freunde sind nicht mehr übriggeblieben, nur gute Bekannte. Denen werde ich nix leihen. Unter gar keinen Umständen. Sonst muss ich bald allein ins Kino. Sicherheitshalber habe ich trotzdem mir einen Quittungsblock gekauft und ein Kreditvertrags-Formular aus dem Internet heruntergeladen.

Hm. Grade fällt mir ein: Der Nachbar zwei Häuser weiter geht mir eigentlich ziemlich auf die Nerven. Ständig feiert er wüste Partys bis zum Morgengrauen, ist unhöflich und parkt meine Ausfahrt zu.

Gleich mache ich mich auf den Weg zu ihm und frage ihn, ob er Geld braucht, darum entschuldigen Sie mich jetzt bitte.

Ich wünsche Ihnen eine herrliche Restwoche.

Mit sparsamen Grüßen.

Ihre

Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com